Bei genauerer Betrachtung der Konzepte eines bedingungslosen Grundeinkommens, ist mir aufgefallen, das das dahinterstehende Konzept, eigentlich mit dem Freilandkonzept von Silvio Gesell verwandt ist.
Ich halte diesen Punkt für sehr interessant und wichtig, da Gesell noch einen ganz anderen Denkansatz hat, als nur sozialistische Umverteilung.
Der Gedanke beim Konzept des Freilandes ist, das jeder Mensch, der auf dieser Erde geboren wird, grundsätzlich ein gleiches Anrecht auf diese hat. Im Gegensatz zum Sozialismus erkennt die Freiwirtschaft also lediglich, das es sich bei Grund und Boden um eine grundsätzlich beschränkte Resource handelt. Daher schlägt Gesell vor, das Recht auf privaten Besitz an Grund & Boden abzuschaffen und durch eine Erbpacht zu ersetzen. Diese würde es ermöglichen, ein privates Nutzungsrecht auch über Generationen hinweg in einer Familie zu erhalten.
Das eigentlich interessante an dem Konzept ist aber, und genau da liegt auch die Parallele, das die Einnahmen aus der Erbpacht den rechtmäßigen Eigentümern, also allen Menschen zustehen. Gesell hat damals, also vor etwa 100 Jahren, diese nur den Müttern zusprechen wollen, aber dieses ist wohl zwischenzeitlich überholt, da sich in Sachen Gleichberechtigung viel getan hat. Ich denke heute könnte man das viel eher mit der Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen vergleichen..
Letztlich ist es auch gar nicht notwendig, irgend jemanden zu enteignen, um Freiland zu realisieren. Es würde vollkommen reichen, zuerst die Grundsteuer so anzupassen, das sie zu einer Entsprechung wird, z.B. indem man Sie unabhängig von der konkreten Verwendung macht und die Einnahmen für das BGE nutzt.
Im nächsten Schritt gibt man dem Staat das Vorkaufrecht und schafft auf diese Weise fortlaufend das Privateigentum an G&B
Die Wachstumsfalle & Freigeld
Ich schreibe diesen Artikel letztlich als Erwiderung auf die Berechnungen von Pavel, die mir eigentlich ganz gut gefallen, meiner Meinung nach aber noch einige Fehler oder Irrtümer enthalten.
Einen entscheidenden Fehler sehe ich in der Ursache für die „Wachstumsfalle“. Er meint, die Ursache für die Notwendigkeit eines permanenten Wirtschaftswachstums wäre der technische Fortschritt, worin ich ihm allerdings vehement widersprechen muss.
Sicher, wenn man das qualitative Wachstum betrachtet, dann stimmt diese Aussage, aber darum geht es in diesem Fall nicht. Das Wirtschaftswachstum von dem wir reden bezieht sich rein auf das Finanzielle, also auf das quantitative Wachstum. Wenn man es genau nimmt, ist der Fortschritt ein Faktor, der dem finanziellen Wachstum entgegenlaufen würde, deswegen muss die eigentliche Ursache an anderer Stelle liegen.
Nun, worin Pavel aber mit Sicherheit Recht hat, ist die Tatsache, das die Antwort erstmal alles andere als offensichtlich, obwohl der Sachverhalt letztlich mehr als nur einfach ist: Die Ursache liegt in dem bestehenden Geld & Finanzsystem!
Inflation & Deflation
Wir haben in unserem Geldsystem generell mit 2 Dingen zu kämpfen, zum einen die Inflation, zum anderen die Deflation. Wenn man in der Geschichte des Geldes zurückschaut, hat es vor allem erstere immer gegeben. Die Ökonomen behaupten, das sich diese nicht vermeiden lässt und das ganze viel komplizierter ist. Irgendwie scheint es ein ziemlich okkultes Thema zu sein..
Jedenfalls benötigen wir das Wirtschaftswachstum vor allem, um die Auswirkungen der Inflation halbwegs zu „neutralisieren“.
Nun, wenn der Wachstumszwang aus der Inflation hervor geht, dann stellt sich als nächstes die Frage, was denn die Ursache für diese Inflation ist. Dazu muss ich ein wenig ausholen:
Der Begriff „Inflation“ kommt von dem lateinischen inflare (aufblähen), weil sich die Geldmenge innerhalb der Volkswirtschaft aufbläht. Dieses passiert aber nicht von selbst, sondern wird von der Zentralbank mehr oder weniger gesteuert, indem diese zusätzliches Geld in den Kreislauf gibt. Dieses wird vor allem deshalb gemacht, um den „entgegengesetzten“ Mechanismus, die Deflation, zu verhindern. Diese Deflation ist letztlich genau das was wir zur Zeit erleben, denn es fehlt einfach überall das Geld.
Nun, wobei es bei dieser Politik der Zentralbank eigentlich geht, ist eigentlich die Steuerung der Geldmenge, oder besser „sollte sein“. Letztlich ist die Zentralbank in dieser Hinsicht eigentlich ziemlich machtlos, wie jedem, der sich nur ein bisschen mit der Thematik beschäftigt, auffallen dürfte. Denn, bei der Deflation schrumpft die existierende Geldmenge gar nicht, sie wird von den Wirtschaftsteilnehmern nur zurückgehalten, weil diese sich davon irgendwelche Vorteile erhoffen. Die Tatsächlich im System enthaltene Menge ist in Wirklichkeit sogar wesentlich höher und wird von der Zentralbank weiter aufgebläht, um die Symptome zu kurieren. Wenn die Wirtschaftsteilnehmer die ihr Geld bisher zurückhalten dann plötzlich merken, das die tatsächliche Geldmenge eigentlich viel zu hoch ist, bemühen sie sich, ihr Geld schnell loszuwerden und setzen damit eine Kettenreaktion in Gang, die so genannte gallopierende Inflation!
Wenn man anfängt das zu verstehen, fällt einem vielleicht auf, das wir auf einer tickenden Bombe sitzen und das es nicht mehr lange dauern kann, bis das ticken aufhört. Das eigentliche, ursächliche Problem ist letztlich die fehlende Fähigkeit der Zentralbank, die Geldmenge zuverlässig zu steuern!
Freigeld
Nun, warum kann die Geldmenge nicht zuverlässig gesteuert werden? Warum behalten die Menschen ihr Geld Zurück und entziehen es dem Kreislauf?
Erstmals identifiziert wurde die Ursache dieses Problems von dem französischen Anarchisten Proudhon irgendwann im 18. Jahrhundert. Er hat erkannt, das das Zahlungsmittel (Geld) zwar gleichwertig mit der Ware sein sollte, es faktisch aber nicht ist.
Die meisten Waren sind irgendwie verderblich, bzw. altern und verlieren so mit der Zeit ihren Wert. Nicht so aber das Geld! Proudhon schlug deshalb vor, dies dadurch zu ändern, indem die Ware auf das Niveau des Geldes gehoben werden soll, was aber schlicht nicht praktikabel war.
Etwas später hat dann allerdings der deutsch/argentinische Kaufmann Silvio Gesell die Lösung für das Problem gefunden: Er schlug vor, das Geld auf die Ebene der Ware zu bringen, indem man es über eine Geldhaltegebür, selbst auch zu einer verderblichen Ware macht.
Auf diese Weise wird dem Zahlungsmittel zwar die Fähigkeit, als Wertaufbewahrungsmittel zu dienen, genommen, dafür werden die beiden anderen Funktionen stabilisiert (Tauschmittel und Wertmassstab). Bei einer genaueren Untersuchung lässt sich zeigen, das diese 3 Funktionen in einem System sich gegenseitig widersprechen und dieses System deswegen zwangsläufig instabil sein muss.
Leider wurden diese Erkenntnisse vor allem von der etablierten „Wirtschaftswissenschaft“ seid nunmehr über hundert Jahren konsequent ignoriert, nur um an einem nachweislich fehlerhaften System festzuhalten. Dies hat mit Sicherheit auch damit zu tun, das es sich bei dem Thema Geld um eines der letzten verbliebenen Tabus in unserer Gesellschaft handelt. Es ist nicht nur, das man nicht darüber redet, es sind auch sehr tiefe, unbewusste Ängste damit verbunden. Bleibt zu hoffen, das diese Krise uns die Motivation und den Mut verschafft, um dieses Tabu zu brechen und uns damit die Möglichkeit gibt, die negativen Nebenwirkungen des Wachstumszwangs zu überwinden.